Bürgerbeteiligung online und vor Ort

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Posted on 6th Mai 2012 by admin in Bruchköbel | Netzpolitik

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Die Bürger wollen vermehrt in den politischen Prozessen mitreden und mitgestalten, dazu bekommen sie dank Internet immer mehr Möglichkeiten. Die Bundeskanzlerin hatte ihren Dialog Zukunft,  der Bundesverkehrsminister sucht im Internet nach Ideen für ein neues Fahreignungsbewertungssystem, der hessische Landtag beschäftigt sich mit der Änderung der Geschäftsordnung, um auch Zuschauern das twittern erlauben zu können. Es gibt noch viele weitere Beispiele.

Doch wie sieht es im kommunalen Bereich aus? Gerade hier müssen die politischen Entscheidungen ganz besonders transparent dargestellt werden, in dem Informationen zu relevanten Projekten für alle tastatur2zugänglich gemacht werden. Denn hier ist der Bürger von Entscheidungen meist ganz direkt betroffen, es geht um sein neues Schwimmbad im Ort, um die Umgestaltung des Stadtkernes oder um die Notwendigkeit von größeren Ausgaben der Kommune. Ich bin sicher, in Zukunft wird das offene Erarbeiten von Entscheidungen mit einer breiten Beteiligungsmöglichkeit ein wesentlich wichtigerer Aspekt im Gesamtprozess werden. Das Internet ist dafür das ideale Medium, denn es hat die Gesellschaft und die politische Willensbildung nachhaltig verändert, wie dies kaum einer anderen Innovation im letzten Jahrhundert möglich war.

Nehmen wir konkret das Projekt „Neue Mitte Bruchköbel“. Es gibt eine recht statische offizielle Internetseite der Stadt, mit wenigen, tiefergehenden Informationen und keinerlei Interaktivität. Es gibt meinen Blog dazu, wo es aber bisher nicht zu größeren Meinungsbekundungen gekommen ist. Warum, darüber kann ich nur spekulieren. Ich vermute mal, dass man auf einer vermeintlich parteibezogenen Seite – die es allerdings nicht sein soll – noch vorsichtiger als ohnehin mit einer öffentlichen Meinungsäußerung ist. Dann gibt es Diskussionen bei wer-kennt-wen.de, die sich aber immer mehr auf eine Gruppe bei Facebook verlagert haben. Diese Gruppe wurde von einem Nachbarn der Neuen Mitte gegründet und hat eine interessante Dynamik entwickelt, die schon zu einem Treffen von Interessierten außerhalb des Netzes geführt hat. Als Mitglied der Gruppe muss ich für mich feststellen, dass zahlreiche Informationen und Gedankengänge durchaus wertvoll sind und weit über die Informationen, die ich bisher als Stadtverordnete erhalten habe, hinausgeht. Sie haben mich viel fb_neueMitte-pdfmehr zum Nachdenken und Nachlesen gebracht. Es wurde auch auf dem Fußballplatz und beim Einkaufen offline über die Gruppeninhalte diskutiert und führte für mich schon zu unerwarteten persönlichen Kontakten. Die Präsentation des Gruppengründers mit dem Zwischenergebnis zeigt ganz deutlich, dass ein solcher Prozess mit wenigen Mitteln sehr wertvoll sein kann und hier keineswegs – so offensichtlich ein gängiges Vorurteil – nur Spinner und Selbstdarsteller unterwegs sind.

All dies zeigt, dass die Zeiten vorbei sind, wo man nur mit Bürgerversammlungen und sporadisch angesetzten Workshops eine breite Bürgerbeteiligung realisieren kann. Man muss die Bürger dort informieren und mit ihnen diskutieren, wo sie sich ohnehin bewegen, das ist nun mal auch im Netz.  Denn es muss in der heutigen Zeit möglich sein, sich unabhängig von Zeit und Raum zu informieren und Meinungen zu äußern. Eine Bürgerversammlung ist nun mal an einem festen Termin, wer nicht hin kann, hat eben Pech gehabt.

Und für eine immer größer werdende  Anzahl der Bevölkerung ist das Internet eine wichtige Informationsquelle und ein Ort für Diskussionen aller Art. Meiner Meinung nach ist dieser Wunsch nach unkomplizierter Partizipation an politischen Prozessen auch ein Aspekt, der den momentanen Aufstieg der Piratenpartei – jenseits aller Protestwählerei – erklären kann, da man diese Tatsache in anderen Parteien nicht wahrhaben will, denn man hat das ja schon „immer so gemacht“ und hat eine riesige Angst vor dem Verlust der Kontrolle über Informationen. Dies fällt im kommunalen Bereich besonders stark auf, da hier aufgrund der Strukturen die „Internetausdrucker“ in der Mehrzahl zu sein scheinen. Doch eine frühzeitige Einbindung der Bürger geht am besten auch über das Netz, das Internet ist ein unabdingbarer Kanal der Kommunikation geworden, nicht mehr nur der statischen Information. Natürlich darf das immer nur ein Teilaspekt sein, das Netz ist nicht die Kommune, aber die Kommune lebt auch im Netz.

Ich höre schon den Einwand, dass man mit dem Internet nicht alle erreichen kann und man so Menschen von diesen Prozessen ausschließt. Doch welchen Verbreitungsgrad hat eine Presserklärung in einer regionalen Zeitung? Wie viele Bürger erreicht man mit einer statischen Internetseite, warum soll hier ein Besucher wiederkommen? Wie viele Menschen erreicht man tatsächlich mit einer Bürgerversammlung? Wir können nicht alle im Internet erreichen und sicher gibt es auch genug, die hier gar nicht erreicht werden wollen. Aber man kann so auf ganz einfach Art und Weise dem interessierten und engagierten Bürger eine Plattform bieten miteinander, mit der Verwaltung und dem Parlament direkt und unkompliziert in Kontakt zu kommen. Es ist eine große Chance für beide Seiten, die leider von manchen immer noch als Bedrohung verstanden wird. Ich lasse hierbei auch nicht das Totschlag-Argument „dafür habe ich keine Zeit“ gelten. Ich zitiere gerne den Regierungssprecher Steffen Seibert anlässlich eines Interviews zu seinen Twitteraktiviäten auf der republica 12: „Es macht mehr Spaß und kostet weniger Zeit als ich dachte“.

Das freie Mandat

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Posted on 10th März 2012 by admin in Bruchköbel | StaVo

aboutpixel.de / Sitzreihe © Klaus WirsingIn Deutschland haben wir das Prinzip des freien Mandates. Im Gegensatz zum imperativen Mandat ist hier der Mandatsträger nicht an Aufträge von Wählern, einer Partei oder seiner Fraktion gebunden.

In der Realität ist das – mit Ausnahme des Wählerwillens – eine schwierige Übung. Wechsel zu anderen Fraktionen mit Mandat werden nicht gerne gesehen und entsprechend mehr oder weniger unsachlich verbal in der Presse begleitet. Das jüngstes Beispiel in der Bruchköbeler Kommunalpolitik zeigt mal wieder deutlich, in welche verbalen Untiefen man hier verfallen kann. War man nach dem Austritt von zwei Fraktionsmitgliedern noch “nachdenklich”, so geht man nach der knappen Veranschiedung des Haushaltes zum Angriff über.

Eine Recherche im regelmäßig hochinteressanten Dickschen Archiv brachte noch weitere ähnliche Meldungen aus der Vergangenheit unseres Städtchens ans Tageslicht: zu einem Wechsel eines SPDlers zum BBB, eines FDPlers zur CDU und eines CDUlers zur FDP. Mit unfreundlichen Worten wird hier von keiner Seite gegeizt. Aber letzten Endes nützt es doch nichts. Durch das Prinzip des freien Mandates hat ein Parlamentarier nun das Recht auf seiner Seite. Und sicherlich wird es sich keiner der Betroffenen leicht gemacht haben mit einer solchen Entscheidung, jeder hatte seine guten Gründe.

Die Intensität der Anfeindungen im aktuellen Fall haben nach meinem Erachten allerdings mittlerweile eine andere Dimension angenommen, die jüngste Pressemitteilung der CDU zeugt davon. Es ist völlig egal, ob jemand sein Mandat als Nachrücker bekommen hat, gerade das Wahlverfahren zur Kommunalwahl hat doch seine Stärke durch die persönliche Wahl. Ich habe z.B. auch einige Stimmen bekommen, TROTZ der Liste auf der ich gestanden habe ;-)

Frau Seewald hat die Fraktion verlassen, weil Sie sich an dem Verhalten der CDU-Führung nach dem gescheiterten Wiederwahlantrag erster Stadtrat gestört hatte (Brk-Kurier vom 16.02.12). Und da liegt auch der entscheidende Unterschied zu den anderen Fraktionswechslern, die CDU scheint offensichtlich keinerlei Achtung vor dem freien Mandat zu haben. Anstatt nach den beiden gescheiterten geheimen Wahlen nach dem Grund auch in sich selbst zu forschen und vielleicht nach anderen, konsensfähigen Möglichkeiten zu suchen, ging man zum Frontalangriff gegen die eigenen Leute über.

Zuletzt gab es das in der hessischen Landespolitik nach dem Fall Ypsilanti. Im Übrigen ein Vorgang der mich persönlich dazu gebracht hat, mich parteipolitisch zu engagieren. Meine Hochachtung vor den Vier und mein Entsetzen über das Verhalten der SPD den Abweichlern gegenüber haben mir die Entscheidung leichter gemacht. Im Übrigen meine ich mich zu erinnern, dass sich damals auch die heute Fraktionsvorsitzende der CDU Bruchköbel sehr über das Verhalten der SPD aufgeregt hatte. Und nun macht sie es keinen Deut besser.

Ich bin immer wieder darüber erstaunt, dass man in der CDU offensichtlich nicht ein Fünkchen Selbstzweifel hat. Sind wirklich immer nur die Anderen doof? Oder verstehen es die Anderen einfach nicht, wie Bürgermeister Maibach gerne formuliert und auch in der letzten Sitzung zur persönlichen Erklärung von Frau Seewald angemerkt hat? Von der (angeblichen) Reue in der hochgelobten Rede des CDU-Vorsitzenden Reiner Keim anlässlich des Heringsessens ist offensichtlich nicht viel übrig geblieben.

Für Bruchköbel ist dieses ganze Schauspiel auf jeden Fall nicht förderlich.

Haushalt – jetzt wird es ernst

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Posted on 7th März 2012 by admin in Allgemein

In der gestrigen StaVo wurde der Haushalt 2012/1013 mit den Stimmen von CDU und Grünen plus einem Fraktionslosen gegen die Stimmen der Opposition plus einer Fraktionslosen verabschiedet. Meine Haushaltsrede für die FDP-Fraktion gibt es hier als pdf zum download. Der Rest der Sitzung war recht mühselig, insbesondere da CDU, BBB und Grüne jeweils zwei Haushaltreden gehalten haben, zog sich das Ganze für die vielen anwesenden Zuschauer doch deutlich in die Länge.